Nyéléni- Europe Movement for Food Sovereignty: Pan-European Forum in Romania

Weihnachtszeit verbinde ich mit Essen. Schon jetzt steht der Menüplan bei meiner Familie fest. Es gibt noch einmal mehr von allem, das beste von allem, die Filetstücke, ein dicker Weihnachtsbraten, Exotisches aus weiter Ferne, vielleicht Fisch? Scampi? Mangocreme? Und natürlich Schokolade. Jede Menge. Es wird kaum hinterfragt, woher die Lebensmittel kommen und wer sie unter welchen Bedingungen produziert. Der Supermarkt stellt all das zur Verfügung, was das Konsumentenherz begehrt bzw. was er begehren soll. Die Aufklärung über die Produktionsbedingungen der Lebensmittel, ist nicht Teil der Vermarktungsstrategien.

Ernährungssouveränität beschreibt ein anderes Modell. Es geht vor allem darum, wie Nahrung produziert wird. Welche Menschen dahinter stehen und unter welchen Bedingungen sie arbeiten. Machtverhältnisse werden beleuchtet und diskutiert.

Ernährungssouveränität ist das Recht der Völker auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellt (…) Sie ist das Recht der Bevölkerung, ihre Ernährung und Landwirtschaft zu bestimmen. Ernährungssouveränität stellt die Menschen, die Lebensmittel erzeugen, verteilen und konsumieren, ins Zentrum der Nahrungsmittelsysteme, nicht die Interessen der Märkte und der transnationalen Konzerne“ (Deklaration des weltweiten Forums für Ernährungssouveränität, Mali, Februar 2007).

Im Sinne dessen hat sich die Bewegung für Ernährungssouveränität, die Nyéléni Bewegung,

Ende Oktober in Rumänien getroffen. Zu den insgesamt 500 Teilnehmern aus 40 Ländern zählten Bauern und Bäuerinnen, Landarbeiterinnen, Gewerkschafter, Forschende, Fischer, Hirtinnen, Indigene, Verbraucher und Menschenrechts-Aktivistinnen. Die Länder Delegationen waren jeweils nach Länder-, Gender-, Alters- und Sektorenquoten zusammengesetzt. Aus Österreich kamen 40 Delegierte.

Bewegung für Ernährungssouveränität, die Nyéléni Bewegung: Teil der österreichische Delegation in Cluj
Bewegung für Ernährungssouveränität, die Nyéléni Bewegung: Teil der österreichische Delegation in Cluj

 

Vorrangiges Ziel des Forums war es, die 2011 beim 1. Forum in Krems erarbeitete Deklaration zu Ernährungssouveränität durch konkrete Handlungsvorschläge zu ergänzen.

Zentrale Fragen des Forums in Cluj waren:

  • Wie können wir Ernährungssouveranität in Europa realisieren?

  • Wie können wir den Einfluss der Konzerne auf das Lebensmittel- und Landwirtschaftssystem zurückdrängen?

  • Wie kann es gelingen, wieder die Menschen, nicht die Profite, in den Fokus der Politik zu rücken?

Anhand von 4 thematischen Achsen – Modelle der Lebensmittelproduktion und Konsumverhalten, Lebensmittelverteilung, das Recht auf natürliche Ressourcen und Gemeingüter, Arbeitsbedingungen und Soziales im Lebensmittel- und Agrarsystem – wurde sich über möglich und bereits bestehende Kampagnen und Aktionen ausgetauscht, Erfahrungsberichte geteilt und Gestaltungsmöglichkeiten besprochen. In einer meiner Arbeitsgruppen wurde sich das Ziel gesetzt, den Bekanntheitsgrad der bestehende Plattform TransforMap (http://viewer.transformap.co/#6/52.140/17.820) europaweit zu erhöhen, um möglichst alle Initiativen rund um das Thema sichtbarer zu machen und die Vernetzung zu erleichtern.

Gearbeitet wurde während der 5 Tage vorwiegend in Kleingruppen, einige Veranstaltungen wie eine Diskussionsrunde mit einer Repräsentantin der FAO, wurden im großen Plenum abgehalten.

Nyéléni Treffen in Cluj: Aktionsplanung in der Kleingruppe
Nyéléni Treffen in Cluj: Aktionsplanung in der Kleingruppe

 

Nyéléni Treffen in Cluj: Eröffnungsplenum
Nyéléni Treffen in Cluj: Eröffnungsplenum

 

Ein freiwilliges Übersetzerteam der Organisation COATI sorgte dafür, dass auch Minderheiten zu Wort kommen konnten und simultan Übersetzungen in 10 Sprachen möglich waren.

 

Nyéléni Treffen in Cluj: Übersetzerteam
Nyéléni Treffen in Cluj: Übersetzerteam

Eine Begegnung war besonders beeindruckend für mich. Eine Unterhaltung mit einem Aktivist aus Mali. Mir wurde einmal wieder klar in welch privilegierter Situationen wir uns befinden. Als AktivistInnen in Österreich sind wir unserer Freizeit aktiv, gehen nach unseren Besprechungen Bier trinken und müssen während der Aktionen weder um unser, noch um ein anderes Leben fürchten.

Nyéléni Treffen in Cluj
Nyéléni Treffen in Cluj

 

Mir werden die Tage in Cluj noch lange in Erinnerung bleiben. Vor allem die verschiedenen Geschichten und Menschen, die den unzähligen Missständen in unserer Welt ein Gesicht geben.


Links:

http://www.ernährungssouveränität.at/

Nyéléni - European Food Sovereignty Movement

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